Sterne, bald zum Greifen nah

Heute war es so weit: Der Allsky Dome von Baader Planetarium schwebte durch die oberfränkische Luft, um präzise auf dem Fundament zu landen. Der Bauort ist ungewöhnlich: Das Dach eines Hauses, das wir 2004 geplant und realisiert hatten, eine von vier Platten im steilen Hang, jede eine Art Baugrund für eine ganz eigene Nutzung. Jetzt hat auch die letzte Ebene ihr Programm: eine Sternwarte.

Das wäre nicht möglich gewesen ohne das beherzte und engagierte Zupacken außergewöhnlicher Firmen, allen voran Grieß-Bau aus Gräfenberg, Herrn Förtsch und seinen Leuten!

In den nächsten Monaten folgt die Erweiterung des Hauses und der Umbau zu Ferienwohnungen, ein Weiterbauen in der Sprache des Ortes, aber im Wechsel von Beton zu Holz – ein spannendes Unterfangen.

Und hier ein paar Eindrücke, die Fotos von unserer Bauherrin, der Film vom eigenen Smartphone…

Sterne

Alles ist vorbereitet, zwei Tage später hat die Firma Griess-Bau (Gräfenberg) dann sogar noch kurz vor Weihnachten die Bodenplatte betoniert:

Nun kann die Allsky-Kuppel von Baader Planetarium im Februar einfliegen, nächstes Jahr können unsere Bauherren vom Dach des Hauses, das wir vor über fünfzehn Jahren mit Ihnen gebaut haben, in die Sterne schauen.

Wir wünschen allen, die das lesen, eine ruhige, besinnliche Weihnachtszeit und im nächsten Jahr einen beherzten Griff nach den Sternen!

U-Bahnhof Gebersdorf: Vorstellung im Baukunstbeirat

Anregend war sie, die Diskussion über unseren Vorentwurf zum U-Bahnhof Gebersdorf im Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg. In Verbindung mit den ersten Ergebnissen unserer parallel zu erarbeitenden typologischen Studie zum Sandäcker-Areal haben wir unseren Ansatz erläutert, einen identitätsstiftenden Ort an dieser Endhaltestelle der U3 zu schaffen.

Der Bahnhof liegt an der Stelle, an der sich der Haltepunkt Süd der 1986 stillgelegten Bibertalbahn befand. Hier treffen der Landkreis Fürth, die Stadt Fürth und die Stadt Nürnberg aufeinander, wenige hundert Meter weiter, südlich der Hügelstraße, stand 1632 Gustav Adolf der Schwedenkönig auf dem sogenannten „Schwedenhügel“, um das Schlachtgeschehen zu betrachten.

1972 ging der Europakanal in Betrieb, in der Folge der Wiedervereinigung und den politischen Veränderungen unterlag der Ort auch in den vergangenen zwanzig Jahren erheblichen Veränderungen: so zogen sich US-Army und Bundeswehr zurück, es blieben die Johnson-Barracks (heute Gewerbepark Süd der Stadt Fürth), sowie das wunderbare Naturschutzgebiet „Hainberg“, das man von der U-Bahnhaltestelle Gebersdorf in wenigen Jahren mit einigen Minuten Fussmarsch bequem erreichen kann: lohnenswert schon jetzt für ausgedehnte Spaziergänge (Wegegebot im Naturschutzgebiet!). Dort liegt auch der Rednitzgrund, er zieht seine Spur unter der alten Eisenbahnbrücke der Bibertalbahn und der Trogbrücke des Europakanals durch. Nur wenige Kilometer oberhalb, im Norden, am Fürther Hauptfriedhof treffen dann Rednitz und Pegnitz aufeinander, um zur Regnitz zu werden und den Weg nach Bamberg fortzusetzen. Der Ort des U-Bahnhofes markiert eine bedeutende Nahtstelle an den umliegenden städtischen Rändern, die noch viele weitere, hoffentlich nur positive Entwicklungen erleben wird.

Wir haben eine schlanke, feine Skulptur für den Hauptabgang der U-Bahn abgestellt, mit Perforationen versehen, die Aus- und Einblicke erlauben, sowie zahlreiche kleine Lichtpunkte setzen. Am Bahnsteig wiederholen wir das Motiv, Reflektionen des Kunstlichtes, ausgelöst durch hochglänzende Fliesenteile im sonst mattweißen Wandbelag imitieren die Stimmung im Abgang. Dies wurde durch das Gremium positiv bewertet, so, wie auch der U-Bahnhof Kleinreuth, den Kollege Andreas Grabow von Grabow und Hofmann Architekten BDA in der gleichen Sitzung vorstellte. Den zweiten Treppenabgang und den Aufzugskörper werden wir nun als Satelliten der Skulptur weiterbearbeiten, die Sprache dabei halten, um einen schönen Ort für all diejenigen zu schaffen, die dort in einigen Jahren ein- und aussteigen.

In der Heimat altern

Altenpflegeheim in Mostviel, Oberfranken

Neubau 2011-2015

Der Fußabdruck einer abgebrannten, ehemaligen Großbäckerei im Talraum des oberfränkischen Flüsschens Trubach dient als Umriss für den Neubau eines Altenpflegeheims. Über dem massiven Sockel gemeinschaftlicher Einrichtungen und zentraler Pflegefunktionen erheben sich die in Holz-Leichtbauweise geplanten Wohngruppen mit Blick über die Landschaft. Ein Stück Ortsreparatur und gleichzeitig Ortsentwicklung inmitten eines einzigartigen Landschaftsraums: in der Heimat altern.

 

Stadtvillen

Stadtvillen Bettelheimstraße in Nürnberg

Neubau von 3 Stadtvillen 2012-14

Die Planung zum Neubau der drei Stadtvillen im nordöstlichsten Quadranten von Nürnberg Langwasser, am Quartierseingang zum sogenannten Frankenquadrat, basiert auf einem zwischen wbg und dem Stadtplanungsamt der Stadt Nürnberg abgestimmten städtebaulichen Entwurf. Der Planungsansatz berücksichtigt Größe, Höhenentwicklung und Lage der Baukörper, geht aber einen typologisch eigenständigen Weg. Die Baukörper sollen zwischen dem öffentlichen Raum des Quartiers und dem privaten Raum der Eigentumswohnungen vermitteln, somit werden sie fast halbgeschossig über das Gelände angehoben, die Stellplätze werden wiederum halbgeschossig unter die Baukörper geschoben – eine Tiefgarage entfällt, die entstehenden Höfe bleiben für die Quartiersdurchwegung offen. Gleichzeitig erhält jede Wohnung ihre typische Ausprägung in Lage, Funktionalität und Ausrichtung. Die Wohnungen verdrehen sich geschossweise in Reaktion auf die städtebauliche Lage und das Zusammenspiel der Baukörper untereinander, ihre Freiräume sind im Wechsel nach Südwesten und Südosten ausgerichtet. Dies differiert wiederum mit der Ausrichtung des jeweils benachbarten Baukörpers, sodass sich keine ebenengleiche Überschneidung der privaten Freiräume ergibt.

Lückenschluss

Archiv- & Depotgebäude „my place“ Selfstorage in Nürnberg

Neubau und Erweiterung 2007-2008

Geplant als gewerbliches Archiv- & Depotgebäude, steht das Bauwerk unter dem Druck der städtebaulichen Bedingungen und der Bedeutung der Kreuzungssituation in unmittelbarer Nähe zur Nürnberger Altstadt: sein Erscheinungsbild muss dem eines Museums und nicht jenem eines Lagergebäudes gleichen. Das Bauwerk soll zwischen einem Wiederaufbauzeugnis der einfachen Art und einem Gewerbebau aus dem Beginn des Industriezeitalters vermitteln. In der Verbindung von gewerblicher Funktion, industriellem Material und einer den städtebaulichen Leitlinien folgenden Form ist eine Bauskulptur entstehen, die das eklektizistische Kreuzungsbild stabilisiert. Perlbeiges Metall auf grünlichem Glas, urbane Fenster für die Stadt und Fläche für den Bauherrn – die Beurteilung, ob der Ansatz gelungen ist, bleibt jedem Betrachter vorbehalten. Wir meinen, es hat funktioniert.

Lehrkubus

Schulungsgebäude für Strahlentherapie am Klinikum Nürnberg-Nord

Neubau 2006-2008

Die Henrietta-Lacks-Stiftung fördert die Ausbildung von MTRA- Schülern im Bereich der Strahlentherapie. Der Ort des neuen Simulators war schnell gefunden: ein verlassener Innenhof im Gebäude der ehemaligen Frauenklinik des Klinikum Nürnberg-Nord. Die Realisierung hingegen hat Zeit in Anspruch genommen. Entstanden ist ein leichtes Gebäude mit schwerem Inhalt, ausgerichtet auf den ruhigen Schulbetrieb. Ein Gast im Hof, funktional organisiert, auf kleinster Fläche und doch ausreichend – ein guter Raum zum Lernen und Lehren.

Alt_Stadtwohnen Neu

Städtebauliche Nachverdichtung in der Solgerstraße, Nürnberg

Neubau eines Mehrfamilienwohnhauses 2005-2007

Zwischen Vorderhaus und Nachbar ergänzt der Neubau die innerstädtische Struktur. Die Umgebung respektierend fügt sich das Bauwerk unauffällig ein, folgt dem Verlauf der Nachbargebäude und reagiert mit Aus- und Einblicken auf die Öffnungen im Stadtgefüge. Die Wohnqualität ergibt sich aus diesen Blickbeziehungen, den fließenden Übergängen in den Grundrissen und der beidseitigen Orientierung aller Wohnungen, zum Innenhof wie auch zum Außenraum der Nachbargrundstücke.

 

 

(Ver)wandlung

Konversion des Gebäude G41 der ehem. O’Darby-Kaserne in Fürth (Bay.)

Realisierung 2003-2005

Ein beeindruckender Baukörper von 210 Metern Länge, dessen Horizontalität betont wird durch die Anordnung und Ausformung der durchlaufenden Vorhangfassade aus Balkonelementen im Süden und der gegliedert wird durch die Farbgestaltung, Zäsuren wie die zweigeschossigen Eingangsfugen im Norden und den Aufsatz von Neubauten als Penthäuser über die gesamte Länge. So entstand ein Gebäude neu, dessen Bestimmung nicht das Wohnen war, welches nun aber prägnant und stolz in seinem neuen Kleid der unvorhergesehenen Nutzung gerecht wird, diese sogar fördert und dazu ermutigt, dort zu leben – ein wirklich schöner Ort.

Treppe runter

Staatliche Berufsschule I in Fürth

Neubau eines Treppenturmes 2004-2005

Ein spannendes Gebäude, diese Berufsschule, Baujahr 1954 – es fehlte der sichere Rettungsweg im Brandfall. Unsere Lösung liegt in einem Turm, eingefügt auf engstem Raum zwischen Bestand und Rektorat. Der Turm vermittelt nun in der Fuge zwischen Alt und älter, stellt den Saal frei, kooperiert mit dem Entwurf aus anderer Zeit. Die Materialität – ein ‚Flechtwerk‘ aus Beton – nimmt dem Turm die Masse, macht die Höhe erlebbar, ohne dass der Turm erdrückend wirkt. Das Lichtspiel ändert das Erscheinungsbild laufend, alles ist reduziert auf das Notwendige, denn schließlich soll man nur flüchten können, im Notfall. Doch muss das Erscheinungsbild nicht darunter leiden: der neue Teil erhebt den Anspruch der Einfügung, dezent, angepasst und doch – anders.

Türme(n)

Grundschule Soldnerstraße in Fürth

Anbau, Umbau, Sanierung 2004 – 2008; Erweiterung ab 2010 (nicht realisiert)

In einem bestehenden Grundschulgebäude sollten vor der Generalsanierung die Rettungswege baulich sichergestellt werden. Wir haben den Bestand mit zwei neuen Treppentürmen aus Stahl ergänzt, die durch ihre Farbigkeit das Schulgebäude einfassen und ihm eine neue Wertigkeit verleihen. Das ermöglicht den Schülern eine Identifikation mit dem ansonsten gesichts-, aber nicht spannungslosen Fertigteilgebäude. Die Türme berühren das Gebäude nur mit den Podesten, die farbigen Schleifen der Turmbekleidung halten Abstand und wirken so nach Außen wie Innen. In der Schule hatte es vor der Maßnahme gebrannt.

Bald soll es weitergehen, wir hausen das Gebäude ein. Eine energetische Sanierung der anderen Art, ohne Dämmstoffe, dafür mit Mehrwert Bewuchs und Bepflanzung. Ein Experiment, sorgfältig vorbereitet für eine Realisierung in den kommenden Jahren.